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Sieg der Compañeros bei Playa Girón


Zum 50. Jahrestag der Invasion in der Schweinebucht, die das revolutionäre Kuba in die Knie zwingen sollte

Vom 19. April 1961 existieren keine der üblichen Siegerfotos mit freudetrunkenen Soldaten, die Fahnen schwenken. Stattdessen gingen damals zwei Schwarz-Weiß-Fotos eines kubanischen Reporters um die Welt. Am Strand des Fischerdörfchens Girón stehen drei Männer mit umgehängten Gewehren, in Zivilkleidung, auf den Köpfen die Barette der kubanischen Volksmilizen. Das erste Bild: Sie blicken auf das brennende Wrack des Truppentransporters »Houston« weit draußen im Meer. Das zweite Foto lässt uns in die Gesichter der Drei blicken. Es sind zwei ältere Männer mit wettergegerbtem Antlitz; der dritte ist jung, fast noch ein Kind. Die Drei hatten zusammen mit ihren Compañeros gerade der Supermacht USA eine schmachvolle militärische Niederlage bereitet. Doch in den Augen der Männer erkannte der Betrachter weder Freude, noch Erregung. Nur Müdigkeit, Erschöpfung. Sie waren mit ihren Gewehren drei Tage ununterbrochen gegen die befestigten Stellungen der hochgerüsteten Invasionsarmee angestürmt, hatten das Grauen der Bombardements »fliegender Festungen« und den Tod vieler Kameraden erlitten. Sie hatten es geschafft. Ihre Kraft und ihren Todesmut hatten sie aus ihrem Glauben an die Revolution geschöpft, aus dem Traum von einem Leben in Freiheit und Würde.

Der Irrtum der Invasoren

Begonnen hatte die Schlacht am 15. April 1961. Ab 6 Uhr morgens bombardierten US-amerikanische B-26 die Stützpunkte der kubanischen Luftwaffe. Es war das Vorspiel der seit Wochen erwarteten Invasion exilkubanischer Söldner. Am folgenden Tag, einem Sonntag, wurden die Opfer des Luftüberfalls in Havanna zu Grabe getragen. Zehntausende gaben ihnen das letzte Geleit. Der Zug hinter den Särgen wurde von tausend bewaffneten Milizionären angeführt. Vor dem Friedhof fasste Fidel Castro die Gefühle der Demonstranten zusammen: »Diese unsere Revolution ist die Revolution der einfachen Menschen, mit den einfachen Menschen, durch die einfachen Menschen, für die einfachen Menschen. Für sie sind wir bereit, das Leben zu geben.«

In der gleichen Nacht traf gegen 23.45 Uhr eine Gruppe von Milizionären bei Playa Girón an der Südküste Kubas auf die Vorhut der Invasion. Es war eine Tauchereinheit, die die Landungsstelle für die 2000 Mann starken Streitkräfte markieren sollte. Die CIA hatte die Operation clever geplant: Es sollte ein Brückenkopf, ein »befreites Gebiet« auf Kuba geschaffen werden, das über eine Landebahn verfügte. Danach sollte eine »Exilregierung« eingeflogen werden und eine sofortige Anerkennung durch die USA und andere lateinamerikanische Regierungen erfolgen.

Im Verlaufe der Nacht rief Castro die Mobilisierung der Milizbataillone aus. Diese dezentral aufgestellten Freiwilligenverbände bildeten damals das militärische Rückgrat der Revolution. Die reguläre Armee war gut zwei Jahre nach dem Sturz der Batista-Diktatur noch im Entstehen. Den Kampffliegern gab Castro den Befehl, mit ihren nach dem US-amerikanischen Luftangriff noch verbliebenen vier Flugzeugen die Schiffe der Invasionsarmee zu versenken. Was den Piloten auch gelang.

Der verbissene Widerstand der nur mit Gewehren und Maschinenpistolen bewaffneten Milizionäre verhinderte, dass die Landemanöver vorankommen und die Invasion sich konsolidieren konnte. Es war ein Wettrennen der aus Havanna und Matanzas heranrückenden Milizbataillone mit dem vordrängenden Feind. Ohne auf die wenigen verfügbaren Panzer zu warten, die über weite Strecken herangeführt werden mussten, rannten die Milizionäre trotz ständigem Beschuss durch die B-26-Bombern unerbittlich gegen die feindlichen Stellungen an. Die Invasoren waren verwirrt: Sie hatten angenommen, dass ihre Landung einen Aufstand gegen das neue Regime auslösen würde. Doch dem war nicht so.

Die Milizionäre erlitten schreckliche Verluste: Über 500 fanden in den Sümpfen vor Girón den Tod oder wurden schwer verletzt. Aber am 17. April abends waren die Invasoren nicht nur gestoppt, sondern befanden sich in der Defensive und eingeschlossen. Nach 65 Stunden waren die Kämpfe vorbei. Der Invasionstruppe ging die Munition aus. Abgeschnitten von jeglichem Nachschub, kapitulierte sie in den frühen Morgenstunden des 19. April. 1189 Mann marschierten in Gefangenschaft, 114 waren gefallen. Der Rest hatte sich mit Schlauchbooten zu den außerhalb der Dreimeilenzone stationierten US-Kriegsschiffe gerettet.

Castro münzte den militärischen Sieg in einen weltweiten Propagandaerfolg um. In Tage währenden offenen Gesprächen diskutierte er mit Gefangenen vor Fernsehkameras über die Invasion und die kubanische Revolution. Er erklärte, dass Kuba an den Gefangenen kein weiteres Interesse habe und bot der USA deren Freilassung an, wenn diese Kuba 500 Traktoren liefern würden. Washington lehnte ab. Nach zwanzig Monaten wurden die Gefangenen dann doch von den USA gegen Lieferung von Medikamenten im Wert von 50 Millionen US-Dollar ausgelöst.

Identifikation mit der Revolution

Der Schlacht von Playa Girón war die erste Bewährung der kleinen Inselrepublik im Selbstbehauptungskampf gegen die seit dem Sturz von Batista ihr feindlich gesinnte Großmacht im Norden. Der schnelle Sieg war auf zwei Faktoren zurückzuführen: Die kubanische Revolution verfügte über eine kampferfahrene einheitliche politische und militärische Führung. Und die große Mehrheit des Volkes identifizierte sich mit den Zielen des revolutionären Umbruchs. Zum Zeitpunkt des Überfalls waren die Milizbataillone bereits mit Handfeuerwaffen und Lkw ausgerüstet, die Kuba aus der Sowjetunion und der Tschechoslowakei erhalten hatte. In letzter Instanz aber war die Kampfmoral der freiwilligen Milizionäre entscheidend gewesen. Sie hatten ihre Revolution mit der gleichen Entschlossenheit verteidigt, wie 1792 die französischen Sansculotten die ihre gegen die sieggewohnten preußischen und österreichischen Invasionsstreitkräfte oder die Bauernregimenter der Roten Armee, die 1919 die mächtige Denikin-Armee bei Orjol vernichteten.

Die drei Männer von Playa Girón hatten am nächsten Tag ihre Gewehre abgegeben und waren nach Hause gegangen, zurück auf ihr Zuckerrohrfeld, zu ihrem Obststand an einer Straßenkreuzung in Havanna und in den Hörsaal der Universität. Sie werden später ihren Kindern und Enkeln von den Tagen vor Playa Girón erzählt haben. Diese werden respektvoll zugehört haben, aber wohl auch mit ihren eigenen, alltäglichen Sorgen beschäftigt gewesen sein.

Die Namen der Männer stehen in keinem Geschichtsbuch. Obwohl sie Geschichte geschrieben haben.

Lektüretipp: Diese Woche erschien bei Spotless (Eulenspiegelverlagsgruppe) vom ehemaligen ND-Sportressortleiter Klaus Huhn »Waterloo in der Schweinebucht« (96 S., br., 5,95 €).

Neues Deutschalnd Johnny Norden
Neues Deutschland, 15.04.2011









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